Vormarsch des SBR in mehr als nur der Zuckerrübe

31.03.2025

Im Jahr 2008 trat in Süddeutschland erstmalig das Syndrome Basses Richesses (SBR) an Zuckerrüben auf. Seitdem hat sich die Situation verschärft. Ursache dafür ist die enorme Anpassungsfähigkeit der Schilf-Glasflügelzikade, diese überträgt als Schaderreger (Vektor) zwei bakterielle Krankheiten auf die Zuckerrübe. Dazu zählt auch das SBR-Krankheitsbild. Kennzeichnend hierfür sind die verformten und kleinen, weichen Rübenkörper, welche nur sehr niedrige Zuckergehalte aufweisen. Leider musste im Jahr 2022 festgestellt werden, dass der Vektor einen Wirtswechsel auf die Kartoffel vorgenommen hat. Er kann sich also nun in beiden Fruchtarten vollständig entwickeln und vermehrt sich rasant. Laut dem Julius Kühn-Institut (JKI) waren Stand Ende 2024 in Deutschland 85.000 Hektar Zuckerrüben und
22.000 Hektar Kartoffeln mit den Bakterien infiziert (Anbauflächen insgesamt: Zuckerrübe: 437.000 Hektar; Kartoffel: 282.000 Hektar). Die hohe Durchseuchungsrate mit den Schaderregern hat inzwischen dazu geführt, dass der Anbau von Pflanzkartoffeln in Hessen fast zum Erliegen gekommen ist. Mittlerweile wurden die Bakterien auch Zwiebeln, Rote Beete und Karotten nachgewiesen. Experten sind sich daher einig, dass die Zikaden auch diese Pflanzen besuchen und beim Anstechen und Saugen die Bakterien übertragen. Auch bei Karotten und Rote Beete wurde bereits über Totalausfälle berichtet.

Dazu fand Anfang des Monats ein SBR-Fachgespräch organisiert durch das JKI statt – mit der Erkenntnis, dass die Lage in der Landwirtschaft ernst ist. Das JKI resümiert: „Das Fazit der Expertinnen und Experten auf der Tagung war, dass eine kurzfristige Absenkung der Vektorpopulation nicht durch Einzelmaßnahmen, wie Insektizideinsatz oder Schwarzbrache nach der Rübenernte erreicht werden kann.

Stattdessen sei ein integrativer Bekämpfungsansatz notwendig, bei dem die Kontrollstrategien über die gesamte Fruchtfolge in Raum und Zeit gedacht werden müssten, sagte Dr. Sabine Andert. Auch eine kulturübergreifende Vernetzung der Forschungs- und Versuchskapazitäten sei dringend notwendig, da mit Kartoffel und Zuckerrübe zwei Hauptkulturen betroffen sind, die in Deutschland weitverbreitet angebaut werden.“

Die Verbreitung der Schilf-Glasflügelzikade wird den gesamten Ackerbau in Deutschland in den kommenden Jahren auf eine harte Probe stellen. Weitere Informationen erhalten Sie hier.